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Grußwort von Generalkonsul Du Xiaohui beim Empfang anlässlich des 70. Jubiläums der Gründung der Volksrepublik China
2019/10/01

(Elbphilharmonie, 30.09.2019)

 

Sehr geehrter Herr Erster Bürgermeister Dr. Tschentscher,

sehr geehrter Herr Ministerpräsident Günther,

sehr geehrter Herr Bürgermeister Dr. Bovenschulte,

sehr geehrter Herr stellvertretender Ministerpräsident Dr. Althusmann,

Exzellenzen,

liebe Landsleute,

meine Damen und Herren,

 

es gibt drei gute Gründe, den Empfang zum 70. Jubiläum der Gründung der Volksrepublik China in der Elbphilharmonie abzuhalten: Erstens ist dies der einzige deutsche Konzertsaal, den sowohl der chinesische Staatspräsident als auch der Vize-Staatspräsident besucht haben. Zweitens ist dies ein Symbol für die großen Veränderungen, die in Norddeutschland stattfinden, und für die Bereitschaft Chinas, sich aktiv an diesem Prozess zu beteiligen. Drittens ist dies eine Kulturinstitution, die die umfassende strategische Partnerschaft zwischen China und Deutschland verkörpert.

 

Das chinesische Generalkonsulat in Hamburg wurde 1984 gegründet – jenes Jahr, das genau die Mitte der 70 Jahre seit der Gründung der VR China markiert. Heute möchte ich vor allem drei Stichwörter ansprechen:

 

„Menschen." Das chinesische Volk erzielt Chinas Erfolge durch harte Arbeit und die Verteidigung des Friedens und nicht durch Stehlen, Ausbeutung oder Wohltätigkeiten von anderen. China hat eine Bevölkerung von fast 1,4 Milliarden Menschen, davon sind 775 Millionen Erwerbstätige, 170 Millionen haben einen Hochschulabschluss oder eine Facharbeiterausbildung, 400 Millionen Menschen gehören der weltweit größten Mittelschicht an, und die chinesische Wirtschaft zählt mehr als 100 Millionen Marktakteure. Seit der Reform und Öffnung wurden in China mehr als 700 Millionen Menschen aus der Armut befreit. Die Chinesen arbeiten hart für ein glückliches Leben, und diese Sehnsucht nach einem besseren Leben und die Früchte der harten Arbeit haben gemeinsam den größten Markt der Welt hervorgebracht. Somit ist die EU seit 15 Jahren Chinas größter Handelspartner, und China ist seit drei Jahren Deutschlands größter Handelspartner.

 

„Öffnung". Die Beziehungen zwischen China und der Welt stehen vor einem Neubeginn. Eine wichtige Erfahrung aus den letzten 70 Jahren ist: Erst wenn es der Welt gut geht, kann es China gut gehen; erst wenn es China gut geht, kann es der Welt besser gehen. Die Aufgaben, denen sich alle auf der Welt heute gemeinsam stellen müssen: die Ablehnung des Handelsprotektionismus, die Bekämpfung des Klimawandels, die Stärkung der Entwicklungszusammenarbeit, die Verringerung der Armut und der Dialog zwischen den Zivilisationen – sind untrennbar mit der Öffnung Chinas verbunden. Sie sind aber auch mit der Öffnung Deutschlands und der Europäischen Union verbunden, ja, mit der Öffnung der ganzen Welt, auf der Grundlage des gegenseitigen Respektes und der Gleichberechtigung.

 

„Weg." Das ist kein Sonderweg, wie der deutsche Historiker Heinrich August Winkler sagte, „einen ‚Normalweg' ist ohnehin kein Land dieser Welt gegangen."Der „Weg des Sozialismus chinesischer Prägung" wurde vom chinesischen Volk unter großen Anstrengungen und um einen enormen Preis erschlossen. Die Praxis hat bewiesen, dass dies ein Weg zum Erfolg ist. Es ist ein Weg, der den Gegebenheiten Chinas und dem Zeitgeist entspricht. Das chinesische Volk wird den Weg weiterhin verfolgen. Nächstes Jahr wird China die absolute Armut beseitigt haben und eine Gesellschaft schaffen, in der alle sich eines bescheidenen Wohlstands erfreuen. Die chinesische Nation hat schon viel Auf und Ab erlebt, aber zum ersten Mal in der chinesischen Geschichte wird absolute Armut beseitigt sein.

 

Bis zum Jahr 2049, dem 100. Jahrestag der Gründung der VR China, werden wir uns bemühen, den großartigen Wiederaufstieg der chinesischen Nation zu verwirklichen. Das Wort "Wiederaufstieg"ist von vielschichtiger Bedeutung: Nur eine Nation, die selbst beachtliche Erfolge erzielt hat, kann nachvollziehen, was das Wort "Wiederaufstieg" bedeutet. Nur Menschen, die Leiden erfahren haben, verspüren ein tiefes Bedürfnis nach einem solchen "Wiederaufstieg". Es gibt noch immer eine Milliarde Menschen in China, die ebenfalls den Wunsch hegen, bald zur Gruppe Mittelschicht zu zählen. Daher wird China auch in Zukunft ein friedliches Entwicklungsumfeld brauchen, um seinen Entwicklungsweg unbeirrt verfolgen zu können. Für Deutschland und die Welt ist dieser Weg ein Weg des Friedens, ein Weg der Zusammenarbeit und ein Weg der Chancen.

 

 Sehr geehrte Damen und Herren,

 

Einzelkämpfer haben es immer schwer. Die Errungenschaften der VR China wären ohne die Hilfe von Freunden nicht erreichbar gewesen. Ich möchte den deutschen Freunden in unserem Konsularbezirk und unseren in Norddeutschland lebenden Landsleuten, die den Aufbau der VR China unterstützt und gefördert haben,  meinen herzlichen Dank dafür aussprechen.

 

China wird in Zukunft mit Norddeutschland umfassend zusammenarbeiten. Hamburg und Shanghai sind ein gutes Beispiel für eine solch umfassende Zusammenarbeit zwischen China und Deutschland. Herr Erster Bürgermeister Dr. Tschentscher war vor gut einem Monat in China. Das Programm seines Besuchs war sehr umfangreich und dicht gedrängt. Beide Seiten erneuerten auch das „MoU über die Zusammenarbeit zwischen den Partnerstädten Hamburg und Shanghai". Das Besuchsprogramm der Delegation und dieses MoU umfassen Bereiche wie Politik, Wirtschaft, Bildung, Wissenschaft und Forschung, Kultur, Tourismus, Stadtplanung und Städtebau, Justiz und öffentliche Sicherheit, überregionale Zusammenarbeit usw. Das zeigt sehr gut, wie umfassend und tiefgehend die Zusammenarbeit zwischen Hamburg und Shanghai inzwischen geworden ist. Der stellvertretende Bürgermeister von Shanghai sagte, dass dies das dickste MoU der Partnerstädten sei, das er überprüft habe. China und Norddeutschland werden künftig die Neue-Seidenstraße-Initiative zum Anlass nehmen, diese umfassende Zusammenarbeit weiter voranzutreiben.

 

China wird in Zukunft mit Norddeutschland  zukunftsorientiert zusammenarbeiten. Als Herr Staatspräsident Xi Jinping 2003 in seiner damaligen Funktion als Parteisekretär der Provinz Zhejiang Schleswig-Holstein besuchte, diskutierten beide Seiten über zukunftsorientierte Kooperationen in den Bereichen Medizin und Gesundheitswesen, Umweltschutz, erneuerbare Energie, Schiffbau und Personalqualifizierung. Fünfzehn Jahre später besuchte Ministerpräsident Daniel Günther China und empfing kürzlich den Parteisekretär der Provinz Zhejiang. Beide Seiten werden im Rahmen des Ministerpräsidentenbesuches die Zusammenarbeit bei Hochschulbildung, Kulturtourismus, Biowissenschaften, Informationstechnologie und grenzüberschreitendem E-Commerce weiter forcieren. Der Schleswig-Holsteiner und Lübecker Thomas Mann sprach einmal von einem „nach hinten offenen Ich": Das ist zwar wichtig, aber ein „nach vorne offenes Wir" ist noch wichtiger. Mit Ministerpräsidenten Günther und Landtagspräsidenten Schlie ist Ihr Land heute besonders stark präsent.

 

China wird in Zukunft mit Norddeutschland auf respektvolle Art und Weise zusammenarbeiten. Bremen ist die Stadt, die ich neben Hamburg am öftesten besucht habe. Ich hatte das Glück, als erster Diplomat von Bürgermeister Dr. Bovenschulte empfangen worden zu sein. Dies war aber nur scheinbar ein Zufall, zeigt diese Begegnung doch die Bereitschaft beider Seiten, die bilaterale Zusammenarbeit zu verstärken. Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass die schon sehr früh begonnene Zusammenarbeit zwischen Bremen und China beste Entwicklungschancen hat. Beim Besuch des Konfuzius-Instituts in Bremen sagte mir die deutsche Leiterin, Professorin Monika Schädler, die heute auch anwesend ist, dass das harmonische Zusammenleben verschiedener Kulturen nur dann gedeihen könne, wenn wir einander respektvoll und auf Augenhöhe begegnen. Das Institut wurde von drei Universitäten in Bremen, Herr Rektor Prof. Scholz-Reiter und Präsident Prof. Weisensee auch heute bei uns sind, und einer Universität in Peking gegründet und bildet damit eine Sonderform der Zusammenarbeit bei Konfuzius-Instituten in Deutschland. Es hat das Verständnis und die Freundschaft zwischen dem chinesischen und deutschen Volk gestärkt. Die Zusammenarbeit zwischen China und Bremen in den Bereichen Logistik, Häfen, Bildung oder Luft- und Raumfahrt ist vielversprechend, und so hoffen wir, dass Herr Bürgermeister Dr. Bovenschulte China so bald wie möglich besuchen wird.

 

China wird in Zukunft mit Norddeutschland zum gegenseitigen Vorteil zusammenarbeiten. Wenn man über die chinesisch-deutschen Beziehungen spricht, kommt man nicht umhin, auch von der in Niedersachsen ansässigen Volkswagen-AG zu sprechen. Der Erfolg der Zusammenarbeit zwischen Volkswagen und China besteht in erster Linie darin, dass dadurch eine Win-Win-Situation geschaffen wurde. Im Lauf der 35 Jahren haben sich zwar die Modalitäten, der Umfang und die Bereiche der Zusammenarbeit zwischen den beiden Seiten geändert, aber daran, dass sie für beide Seiten von Vorteil ist, hat sich nicht geändert. Beide Seiten haben beschlossen, in den Bereichen autonomes Fahren und E-Mobilität enger zusammenzuarbeiten. Die Zusammenarbeit zwischen China und Niedersachsen beschränkt sich aber nicht auf Volkswagen: Herr stellvertretender Ministerpräsident Dr. Althusmann hat mit seinem China-Besuch im vergangenen Jahr bewiesen, auf welch hohem, umfassendem Niveau die Zusammenarbeit zum gegenseitigen Vorteil zwischen China und Niedersachsen heute stattfindet.

 

Ich will Sie nicht länger mit meiner Rede langweilen, sondern möchte den geschätzten Gästen mehr Zeit geben, um ihre Ideen, Vorschläge und Maßnahmen zur Förderung der chinesisch-deutschen Zusammenarbeit zu erläutern.

 

Besonderer Dank geht an die Hochschule für Musik und Theater Hamburg, die der VR China ein musikalisches Geburtstagsgeschenk gemacht hat. Jedes ihrer Musikstücke spiegelt die lange Geschichte des kulturellen Austauschs zwischen China und Europa wider. Wir nennen dies die musikalische Seidenstraße. Nach dem Ende der hiesigen Veranstaltung möchten wir unsere Gäste außerdem einladen, an einer Bootsfahrt auf der Elbe teilzunehmen. Damit wollen wir ein Signal setzen: China und Deutschland sitzen angesichts der neuen Weltlage im selben Boot und müssen sich  gegenseitig helfen und sich gemeinsam bemühen. So wie Frau Bundeskanzlerin Merkel während ihrer 12. China-Reise sagte: gemeinsam statt allein. Das gilt für Herausforderung und auch für Feier. Im Namen aller anwesenden Chinesen bringe ich stellvertretend unseren herzlichen Glückwunsch zum Tag der deutschen Einheit in 3 Tagen zum Ausdruck. In diesem Sinne wünsche ich uns allen viel Vergnügen!

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