Home > Informationen aus dem Generalkonsulat
Generalkonsul Ma sprach mit der Presse über Olympische Spiele in Beijing und Tibet


Bemerkung: Vor einigen Tagen bat Hamburger Morgenpost den Generalkonsul Ma um ein Interview. Da das Interview schon innerhalb 1-2 Tage nach der Vereinbarung stattfinden sollte, schlug Ma vor, wegen knapper Zeit das Interview schriftlich zu machen. Man war auch damit einverstanden. Aus früheren Erfahrungen wies Ma noch darauf hin, dass das Interview nur als ganzes veröffentlicht werden sollte, um mögliche Missverständnisse zu vermeiden. Leider ist dies nicht geschehen. Was in der Mopo-Ausgabe vom 24. April darüber berichtet wurde, entsprach in vielen Punkten - auch wenn keine Zitate - nicht den eigentlichen Meinungen vom Interviewten. Wir bedauern es und veröffentlichen hier das ganze Interview.

Generalkonsulat der Volksrepublik China

Hamburg, 25. April 2008

 

Das Interview

Welche Bedeutung hat Hamburg für China und China für Hamburg?

Unter deutschen Städten ist Hamburg eine, die schon vor Jahrhunderten Kontakte zu China hatten. In Hamburg gibt es Unternehmen, die seit über 100 Jahren im Geschäft mit China stehen. Heute sind 700 Firmen aus Hamburger Raum in China präsent, darunter bekannte Unternehmen wie Airbus, Lufthansa-Technik, Beiersdorf, Steinwey, Monblanc, Philip, nur um einige als Beispiel zu nennen. Hamburg hat mit Shanghai, größter Metropole Chinas, Partnerschaft schon über 20 Jahre, beide Seiten haben enge Beziehungen in Wirtschaft, Bildung, Kultur, Sport, die Zusammenarbeit ist erfolgreich, der Austausch ist rege. China spielt für den Hamburger Hafen eine wichtige Rolle. Eindrittel vom Containerumschlag des Hafens gehen nach oder kommen von China. Im Hafen sind ja etwa 150tausend beschäftigt, das bedeutet theoretisch, China hätte mindestens einige Hunderte Arbeitsplätze für Hamburg geschaffen. Hinzu kommen noch 400 chinesische Firmen, die in Hamburg niedergelassen sind. In Hamburg leben 4000 Chinesen, schätzungsweise noch 6000 chinesischer Abstammung. An Unis studieren zur Zeit 500 junge Leute aus China.

Ich bin der Meinung, sowohl China als auch Hamburg legen großen Wert auf bestehende gute Beziehung und Kooperation. Sie soll, und ich glaube, will man auch weiter pflegen und intensivieren. Denn davon profitieren beide Seiten als Partner.

Was ist der größte Unterschied zwischen China und Deutschland?

Ganz einfach. Chinesen leben im Osten, Deutschen im Westen. Nein, Spaß beiseite. Ich glaube, der größte Unterschied zwischen Chinesen und Deutschen ist wohl, dass es keinen großen Unterschied gibt. Beide Nationen sind fleißig und intelligent, haben in der Geschichte zur Zivilisation der Menschheit viel beigetragen. In der Gegenwart schätzen beide Seiten sich einander, sind in vielen Bereichen kompatibel und wollen ihre Zusammenarbeit verstärken. Denn das liegt im beiderseitigen Interesse. Wenn überhaupt vom Unterschied die Rede ist, dann glaube ich, liegt er darin, China und Deutschland liegen weit voneinander, Chinese und Deutsche haben unterschiedliche Geschichte, Kultur und Entwicklungswege, daher sind Mentalität und Betrachtungsweise ungleich. Der Mensch denkt ja mit dem Kopf, aber entscheidend wie man denkt, ist der verlängerte Hinten. Viele Dinge auf der Welt beobachtet man deswegen auch unterschiedlich, was ganz normal ist. Die Menschen sollen sich mehr kennen lernen, Verständnis füreinander aufbringen und Verständigung fördern.

Womit verbringen Sie Ihren Tag?

Wie jeder normale Berufstätige, vielleicht mit anderem Inhalt. Als Diplomat interessiere ich mich ja vor allem dafür, was auf der Welt, in Deutschland, in Norddeutschland, aber natürlich auch was in China geschehen ist, über Zeitungen, Fernsehen und Internet. Neben Dokumenten und Briefen habe ich viele Termine mit Personen aus Politik, Wirtschaft, Kultur, Konsularkorps, selbstverständlich auch mit meinen Landsleuten. Abends oft auf Einladung zu Empfang oder Veranstaltung, natürlich lade ich auch Gäste zu mir. Wenn ich nach der Arbeit Zeit habe, treibe ich gerne Sport, lese Bücher, höre Musik, ja ich fotografiere auch gerne.

Chinas Wirtschaft wächst unaufhaltsam. Können Sie verstehen, warum in Hamburg so heftig um das geplante Kohlkraftwerk gestritten wird?

Schwer. Wie ich sagte, beim Denken entscheidet wo man sitzt. Nehmen wir Honig als Beispiel. Für Kinder Leckerbissen, für Mediziner eine Arzneimittel, für Tischler ein guter Bestandteil für Leim, für Händler eine Ware zum Geldverdienen.

Können Sie die Proteste gegen den Olympia-Fackellauf verstehen?

Olympische Spiele sind eine Sportveranstaltung. Fackellauf demonstriert Frieden und Verständigung. Wenn man friedlich demonstriert, ist sein gutes Recht. Aber wenn man brutal und gewaltsam die Fackel wegzureißen versucht, selbst vor einer behinderten jungen Fackelträgerin auf Rollstuhl nicht zurückscheut, ist nicht akzeptabel. Ich kann das nicht verstehen, 1,3 Milliarden Chinesen nicht, die Mehrheit der Weltbevölkerung auch nicht. Deswegen sind Tausende aber Tausende Chinesen in Großbritannien, Frankreich, USA, Kanada, Australien spontan auf Straße gegangen, um Fackellauf zu schützen, Olympiaspiele in Beijing zu unterstützen und gegen Versuch nach Tibet-Unabhängigkeit aufzutreten. Alle 205 Mitgliedsländer haben ihre Teilnahme an Olympiaspielen in Beijing erklärt.

Olympische Spiele zu politisieren entspricht nicht der Olympia-Charta, die von allen Mitgliedsländern anerkannt wird. Wenn man handelt gegen Olympia-Charta, dann handelt man gegen alle, die für den Olympiageist eintreten. Gewaltsame Aktionen gegen friedlichen Fackellauf stehen nicht im Einklang mit Demokratie und Freiheit. Sollte man politische Ziele haben, soll man es auf politischer Veranstaltung tun.

Auch vor Ihrem Konsulat wurde demonstriert. Jetzt werden Sie von der Polizei beschützt. Wie fühlt sich das an?

Wir fühlen uns sicherer. Dazu muss ich auf den Hintergrund hinweisen. Mitte März kam es in Lhasa und anderen Orten zu gewaltsamen Ausschreitungen. Dadurch kamen Menschen ums Leben, Häuser und Geschäfte verbrannt, sogar Polizisten getötet und verletzt. So was könnte in jedem Land passieren, jede verantwortungsbewusste Regierung würde Gegenmaßnahmen ergreifen. Soll es heißen, es ist legal, gegen Gewaltaktion vorzugehen, wenn europäische Polizei dies tut, es ist aber Unterdrückung, wenn chinesische Polizei das tut? Mag sein, dass man politische Forderungen hat. Dadurch ist aber Gewaltausübung nicht berechtigt.

Im Hintergrund was in Lhasa geschah, kam im Ausland zu Demos, dabei auch brutale und gewaltsame Angriffe gegen chinesische diplomatische Vertretungen, auch in Deutschland. Das waren Taten nicht nur gegen China, sondern gegen internationale Konventionen, gegen das Völkerrecht. Die Bundesregierung ist ihren internationalen Pflichten nachgegangen und Polizeischutz vor den chinesischen diplomatischen Vertretungen gestellt, auch in Hamburg an der Elbchaussee. Ich kann mir vorstellen wie der Wachdienst, auch an Feiertagen, für Polizeibeamten bedeutet. Für ihre Bemühungen und Dienst bedanke ich mich auch im Namen des chinesischen Generalkonsulats ganz herzlich.

Haben Sie viele Protestbriefe wegen der Konflikte in Tibet erhalten?

Ja, nur paar Duzende. Die meisten Briefe sind gleicher Inhalt. Ich gehe davon aus, die Absender haben auf Verlangen von anderen einfach unterschrieben und losgeschickt ohne wirklich zu wissen worum es geht. Ich muss darauf hinweisen, dass über sogenannte Tibet-Konflikte viel berichtet wird, aber meistens einseitig. China ist dabei eine Partei, aber die von ihm gelieferten Tatsachen in Texte und Videos über Tibet sowie die unterstützende Stimme von Chinesen werden weitgehend ignoriert. In einem anderen Wort: zensiert. An Tibet-Frage denkt man oft nach bestimmtem Schema: Tibet – Besatzung – Unterdrückung – Proteste. Bei Berichterstattung benutzt man nicht Informationen von allen Seiten, sondern nur Material, das zum Schema passt, sogar manipulierte Bilder und verdrehte Fakten. So wird Gewaltausübung als friedliche Demo bezeichnet, Täter werden als Opfer betrachtet, Separatismus als Demokratie angegeben.

Ich habe den Eindruck, dass dadurch die deutsche Öffentlichkeit in Frage Tibet leider nicht allseitig informiert wird. Darüber gibt es deutsche Kritik, die einseitige Berichterstattung entspreche nicht dem deutschen Grundgesetz. Nach dem hat jeder deutsche Medienempfänger das Recht, von den beiden Seiten eines Konfliktes zu hören, sich ungehindert zu unterrichten, um sich selbst, durch eigenen Kopf, ein Bild zu machen. Ich muss dazu sagen, über Tibet gibt es eine Menge Informationen. Seit Anfang der 90er Jahren hat chinesische Regierung eine Reihe Weißbuch über alle möglichen Aspekte der Tibet-Frage, und auch Homepage. Besuche von ausländischen Journalisten und Politikern vor Ort in Tibet haben oft stattgefunden. Aber darüber war entweder kaum in der Presse zu finden oder wurde verdreht dargestellt. Es gibt in vielen europäischen Ländern schon kritische Meinungen über unobjektive und unausgeglichene Pressenberichte in Bezug auf China. Auch in China und außerhalb Chinas kritisieren Millionen Chinesen spontan die einseitige und oft Tatsachen auf den Kopf gestellte Berichterstattung. Sie können mal das von einigen chinesischen Studenten eingerichtete Homepage „anti-cnn.com" reinschauen, dann wissen Sie besser Bescheid. Wegen Verteuflung Chinas sind immer mehr chinesische junge Leute von westlichen Medien enttäuscht, sie fangen an nachzudenken über westliche Demokratie und Pressefreiheit.

Zum Schluß möchte ich noch paar Worte über Tibet sagen. Tibet gehört zu China seit über 700 Jahren. Alle Regierungen einschließlich der Bundesregierung erkennen an, dass Tibet ein Bestandteil des chinesischen Territoriums ist. Vor 1959 herrschte in Tibet die Leibeigenschaft wie im Mittelalter in Europa. Danach wurde dort demokratische Reform durchgeführt und das „Autonome Gebiet Tibet" gegründet. Insbesondere hat sich Tibet in den letzten Jahrzehnten in verschieden Aspekten schnell entwickelt und soziale Fortschritte gemacht. Die Bevölkerung hat sich verdoppelt, unter 2 Millionen Bevölkerung sind 95% Tibeter. Tibetische Religion und Kultur, natürlich auch die tibetische Sprache werden nicht nur geschützt, sondern auch gepflegt und gefördert. Das Leben von Tibetern hat sich ständig verbessert. Jedes Jahr reisen Millionen Touristen nach Tibet. Über Tibet kann man noch mehr erzählen. Wenn man Interesse daran hat, kann man chinesische Homepages besuchen.

___________________

Homepage:

http://german.china.org.cn/de-xizang/01.htm

http://www.fmprc.gov.cn/ce/cgham/det

http://www.chinatibetnews.com/gb/chennel21/index.html

http://eng.tibet.cn


Suggest To A Friend
  Print