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China-Woche 2020 an der Technischen Universität Clausthal Grußbotschaft von Generalkonsul Du Xiaohui
2020/11/03

 

2. November 2020

 

Sehr geehrter Herr Präsident Prof. Dr. Schachtner,

Sehr geehrte Frau Staatsekretärin Dr. Johannsen,

Sehr geehrte Frau Bürgermeisterin Schweigel,

Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Hanschke,

Sehr geehrte Frau Präsidentin Prof. Dr. Riegraf,

Sehr geehrte Damen und Herren,

 

ich danke Herrn Professor Dr. Hou für die Einladung. Die Einrichtung eines China-Kompetenzzentrums und die erste China-Woche an der Technischen Universität Clausthal im Jahr 2018 boten eine wertvolle Plattform, um die China-Kenntnisse in Deutschland zu vertiefen und den Austausch zwischen Deutschland und China zu fördern.

 

Die TU Clausthal pflegt sehr intensive Beziehungen zu China, und bei einem Besuch dieser schönen Universitätsstadt im vergangenen Frühjahr erfuhr ich, dass die TU Clausthal bereits über 1500 Studierende aus China ausgebildet hat. Ich bedaure, dass ich wegen der Corona-Pandemie die Bergbaustadt Clausthal nicht wieder besuchen kann. Heute möchte ich mit Ihnen über Chinas Beziehungen zur Welt im Zeichen der Corona-Pandemie und über die Hauptaspekte des 14. Fünfjahresplans Chinas sprechen.

 

Chinas Beziehungen zur Welt sind in einem historischen Wandel begriffen. Die Welt durchläuft im Moment große Umwälzungen, und die globale Corona-Pandemie hat das Tempo dieses Wandels weiter beschleunigt. Aus globaler Sicht werden ein schneller Sieg über die Corona-Pandemie und eine Lösung für den weltweiten wirtschaftlichen Schwierigkeiten nur dann gelingen, wenn alle Länder  konzertierte Anstrengungen unternehmen. Chinas Bruttoinlandsprodukt ist im dritten Quartal um 4,9% gewachsen, und Prof. Thomas Mayer kommentierte dies folgendermaßen: „Die effektive Virus-Eindämmung beschleunigt Chinas Aufstieg." Die Welt und Deutschland stellen hohe Erwartungen an die chinesische Wirtschaft. Die Welt braucht China, und China braucht die Welt. Letzte Woche hielt die Kommunistische Partei Chinas die fünfte Plenarsitzung des 19. Zentralkomitees ab und beschloss den Vorschlag für den 14. Fünfjahresplan und die Ziele für 2035. Wenn man diese Entscheidung versteht, erhält man ein klares Bild von der Entwicklung Chinas in den nächsten fünf, 15 und sogar 30 Jahren. Der Vorschlag des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Chinas zur Formulierung des 14. Fünfjahresplans für die nationale wirtschaftliche und soziale Entwicklung und der Perspektiven bis 2035 ist das wichtigste Dokument der Sitzung. Ein Ziel für 2035 ist, dass das Pro-Kopf-BIP das Niveau der Industrieländer mit mittlerem Einkommen erreichen wird, wobei die Gruppe mit mittlerem Einkommen deutlich zunehmen wird. Es wird ein starker Inlandsmarkt entstehen, auf dem ein innovationsgetriebenes, qualitativ hochwertiges Angebot führend ist und neue Nachfrage schafft. China wird im inländischen Kreislauf alle Hindernisse aus dem Weg räumen, den inländischen und internationalen Doppelkreislauf fördern. China bleibt für Deutschland und die Welt weiterhin Partner und Chance.

 

China ist so nah an der Welt, dass man, wenn man China heute studieren will, Goethes berühmtem Zitat über den Bergbau folgen kann: „Willst du ins Unendliche schreiten, geh nur im Endlichen nach allen Seiten. Willst du dich am Ganzen erquicken, so mußt du das Ganze im Kleinsten erblicken." Wenn man China, diese reiche Mine verstehen will, geht man am besten wirklich nach allen Seiten und erblickt auch ins Kleinste! Zumindest braucht man mehr Kontakt mit Chinesen oder eine Chinareise, nicht wie manche deutsche Medien und sogenannte Experten durch eine ideologische Brille gesehene Scheinwirklichkeit verbreiten. Im Gegenteil ist dies genau ein Beweis dafür, wie wichtig die Stärkung der Chinakompetenz ist.

 

Ich habe einmal im Spiegel gelesen, dass die Zahl der Schüler, die in Deutschland Chinesisch lernen, bei etwa 5000 liegt. Im Vergleich dazu sind es etwa 40000 in Frankreich, dieser krasse Gegensatz hat mich ein wenig überrascht. Ich habe an mich immer den Anspruch gestellt, meine Deutschlandkompetenz weiter zu stärken, was mir noch nicht gut genug gelungen ist. Das China-Kompetenzzentrum an der TU Clausthal ist eine gute Brücke zwischen China und Deutschland, um neue wissenschaftliche und technische Talente aus China und Deutschland auszubilden und auch deutsche „Bergmänner und Bergfrauen" auszubilden, die diese chinesische reiche Mine verstehen.

 

Die Fehlinterpretation Chinas in Deutschland beruht wesentlich auf zwei grundlegenden Unterschieden in der Wahrnehmung. Zum einen geht es darum, ob Chinas Reformen so verändert werden sollen, wie es die anderen erwarten, oder ob China das Bedürfnis, das Recht und die Fähigkeit hat, seine eigene spezifische Identität während des Reformprozesses zu bewahren. „Wandel durch Handel": Wenn der Wandel nicht so ausschaut, wie es andere kennen und wollen, oder wenn Tempo, Rhythmus, Fahrplan und Prioritäten nicht deren Erwartungen oder Anweisungen in Form von Kritik sowie Empfehlung entsprechen, dann führt das zu einer unnötigen Sorge, zu einer ungerechten Kritik, zu einem „gemeinsamen Druck".

 

Seit der Reform und Öffnung besteht der Sozialismus chinesischer Prägung in einem Reformweg, den ein Land wie China mit einer mehr als 5000 Jahre alten Zivilisationsgeschichte und einer Bevölkerung von 1,4 Milliarden Menschen für sich erarbeitet hat, und die Fünfte Plenarsitzung hat entschieden, diesen Weg fortzusetzen. Als Reformziel werden wir die entscheidende Rolle des Marktes bei der Ressourcenallokation voll zur Geltung bringen.

 

Die zweite Frage ist, ob die Öffnung Chinas nur eine Einbahnstraße bleibt, ob nur China sich zum Westen öffnet, ob China nicht das Recht hat, in Deutschland zu investieren, oder in bestimmten Bereichen zu überholen. Wenn es der Fall ist, wird China als wirtschaftlicher Konkurrent oder als systemischer Rivale bezeichnet, was zum Embargo oder Ausschluss führen könnte – und damit meine ich nicht nur die Diskussion über Huawei.  In den kommenden 5 Jahren werden wir die Öffnung nach außen weiterhin hinsichtlich Reichweite, Breite und Tiefe ausbauen. Wir werden die Vorteile nutzen, die die Größe des chinesischen Marktes mit sich bringt. Wir werden die internationale Zusammenarbeit fördern und eine für alle Seiten förderliche Situation verwirklichen. Wir werden ein neues offenes Wirtschaftssystem auf höherem Niveau aufbauen, die hochwertige Entwicklung des Projekts der „Neuen Seidenstraße" fördern und uns aktiv an der Reform des globalen wirtschaftlichen Governance-Systems beteiligen.

 

Die zwei Punkte sind nur ein wichtiger Bestandteil des Vorschlags und sollen zum Weiterdenken anregen. Es ist zu empfehlen, den Wortlaut des Vorschlags zu lesen, den Sie auf der Homepage unseres Generalkonsulats finden. In einer Welt, die überflutet von bedeutungslosen Informationen wird, sind Klarheit und Durchblick echte Kompetenz.

 

Die Beziehungen Chinas zur Welt werden immer wichtiger, und der Westen und China müssen einander besser verstehen und Missverständnisse abbauen. Deshalb ist die China-Woche an der TU Clausthal besonders wichtig. Hiermit wünsche ich der China-Woche viel Erfolg. Ich würde gerne Ihre Fragen beantworten.

 

Glück auf!

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