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Grußwort von Generalkonsul Du Xiaohui bei der Digital-Feierveranstaltung anlässlich des 71. Jubiläums der Gründung der Volksrepublik China
2020/09/23
 

(Es gilt das gesprochene Wort)

 

Zusammenarbeit zwischen China und Bundesländern in Norddeutschland in Zeichen von Corona

 

Grußwort von Generalkonsul Du Xiaohui bei der Digital-Feierveranstaltung anlässlich des 71. Jubiläums der Gründung der Volksrepublik China

(Generalkonsulat der VR China in Hamburg, 22.09.2020)

 

Sehr geehrter Herr Prof. Gabriel Felbermayr,

sehr geehrter Herr Ministerpräsident Stephan Weil,

sehr geehrter Herr Bürgermeister Dr. Andreas Bovenschulte,

sehr geehrte Frau Staatsrätin Mölle,

sehr geehrter Herr Staatssekretär Schrödter,

sehr geehrte Damen und Herren,

 

zum ersten Mal veranstaltet das chinesische Generalkonsulat in Hamburg einen Digital-Empfang und versammelt unsere Freunde in der „Cloud", um das 71. Jubiläum der Gründung der Volksrepublik China zu feiern. Diese Premiere war nicht beabsichtigt – die Corona-Krise zwingt uns dazu. Wie die Krise an sich, ist es ebenfalls eine Chance, auch unsere Gäste in China einladen und begrüßen zu dürfen. Ich heiße Sie alle ganz herzlich willkommen.

Dies ist die dritte große Krise im 21. Jahrhundert, und wie die vorangegangenen Krisen – 9/11 und die internationale Finanzkrise – macht sie deutlich, dass sich die Krisen dieses Jahrhunderts von traditionellen Krisen unterscheiden, was unkonventionelle Sicherheit, globale Implikationen, multidimensionale Komplexität und internationale Ausbreitung betrifft. Angesichts einer Katastrophe gibt es keine politischen, ethnischen und nationalen Unterschiede oder Unterschiede in der Hautfarbe: Das Menschenleben steht im Mittelpunkt. Deshalb braucht die Welt Kooperation, nicht Entkoppelung. Wie Herr Staatspräsident Xi gestern bei dem Festakt zum 75-jährigen Bestehen der UNO unterstrichen hat, unterstützen wir mit Entschlossenheit die zentrale Rolle der UNO in den internationalen Angelegenheiten.

(Liebe Gäste, wir haben noch zwei kleine Gäste eingeladen, das Mädchen heißt Mulan, der junge Nationalspieler Nr. 71 heißt Toni. Ihr künstlicher Vater heißt Jianyou Zhou, aus Hongkong, auch Grafiker von der heutigen Veranstaltung. Herzlichen Dank!)

Es handelt sich um die schlimmste Gesundheitskrise seit dem Zweiten Weltkrieg, aber es wird nicht die letzte sein. Die Pandemie erinnert uns auf besonders eindringliche Art und Weise daran, dass die Menschheit im Guten wie im Schlechten eine Schicksalsgemeinschaft bildet, dass kein Land im Angesicht einer großen Krise alleine bestehen kann und Solidarität sowie Zusammenarbeit der einzig richtige Weg für die Menschheit sind. Solange die Krise in Afrika und Lateinamerika nicht zu Ende ist, ist sie für uns auch noch nicht beendet. Deshalb braucht die Welt Partner, nicht Rivalen. Ein gutes Beispiel ist, dass sich China und Deutschland im Kampf gegen die Pandemie gemeinsam für internationale Solidarität und die Wiederbelebung der Weltwirtschaft einsetzen.

Dass China wichtige strategische Erfolge im Kampf gegen die Pandemie erzielen konnte, steht in direktem Zusammenhang mit der Gründung der Volksrepublik China, die wir heute feiern: Das Menschenleben an erste Stelle zu setzen, das Land zu vereinen, Leib und Leben zu riskieren, die Wissenschaft zu respektieren und das gemeinsame Schicksal zu teilen – das ist der Geist, der uns im Kampf gegen die Pandemie getragen hat. Eine seit der Gründung der VR China entwickelte nationale Stärke, ein im Laufe der Zeit geschaffenes materielles Fundament, ein vollständiges industrielles System, eine starke Wissenschaft und Technologie sowie reichlich vorhandene medizinische Ressourcen sind auch die wesentlichen Stützen bei der Prävention und Kontrolle von Pandemien. Die Entwicklung Chinas hat nicht nur dem chinesischen Volk, sondern Menschen auf der ganzen Welt Vorteile gebracht.

Chinas Erfolg im Kampf gegen die Pandemie ist auch der Unterstützung der internationalen Gemeinschaft, einschließlich Deutschlands bzw. Norddeutschlands, zu verdanken, so wie auch China den Kampf gegen die Pandemie in Norddeutschland und Deutschland nach besten Kräften unterstützt hat. Lediglich ein einziger chinesischer Student unter meinen Landesleuten in Norddeutschland wurde infiziert und ist sehr schnell genesen, was auch zum Kampf gegen die Pandemie in Norddeutschland beitrug. Ärzte und Freiwillige aus China sowie chinesische Unternehmen in Norddeutschland haben alle auf unterschiedliche Weise ihren Beitrag geleistet. An dieser Stelle möchte ich ein herzliches Dankeschön an unsere Landsleute und deutschen Freunde in Norddeutschland aussprechen. Aus unserer langjährigen Geschichte wissen wir, angesichts der Krise gilt es stets, einer für alle, alle für einen, deshalb will China Frieden, nicht Hegemonie.

In den letzten neun Monaten war für mich, für die beiden Herren Ministerpräsidenten, für unsere Gäste und für China vielleicht gar nicht die Pandemie selbst die größte Herausforderung, sondern die Unsicherheit, die sie mit sich brachte. Clausewitz sagte einmal, der Umgang mit Unsicherheit erfordere Verstand und Mut. Chinas Antwort auf eine ungewisse Zukunft im Zeichen der Pandemie lautet: Reform und Öffnung. Reform bedeutet Mut, Reform erfordert Mut; Öffnung ist Verstand, Öffnung ist eine rationale Entscheidung. Angesichts eines sich im Umbruch befindlichen internationalen Umfelds hat China vor, die Vorteile seines Megamarktes und das Potenzial seiner Inlandsnachfrage voll auszuschöpfen, wobei der große Binnenzyklus die tragende Säule bilden und der Doppelzyklus im In- und Ausland zur gegenseitigen Verstärkung dienen soll. China wird die Binnennachfrage weiter ausbauen und Entwicklungsdividenden besser mit der Welt teilen. Chinas Reform und Öffnung war, ist und bleibt eine Chance für Deutschland, die EU und die Welt, nicht eine Bedrohung.

Chinas Wirtschaft ist untrennbar mit der Weltwirtschaft verbunden, und die Welt ist erleichtert, dass die chinesische Wirtschaft im zweiten Quartal um 3,2% gewachsen ist. Dieses Wachstum zeigt Chinas starke Resilienz und Vitalität. Es ist den Anstrengungen des chinesischen Volkes zu verdanken, das im Kampf gegen die Pandemie große Opfer gebracht hat. Das ist auch das Thema des heutigen Vortrags von Prof. Felbermayr, und es ist ein Thema, das uns alle angeht. Ich bin der festen Überzeugung, dass die so zahlreich erschienenen Gäste auch ein Zeichen dafür sind, dass China und Deutschland Zusammenarbeit brauchen, nicht Isolation.

 

Wie kann diese Zusammenarbeit im Zeichen der Pandemie gestaltet werden?

Zusammenarbeit erfordert eine strategische richtige politische Begleitung. China und Europa sind zwei große Kräfte, zwei große Märkte und zwei große Zivilisationen, sie sind Partner für Frieden, Wachstum, Reformen und Zivilisation. China und Deutschland sind in jeder Hinsicht umfassende strategische Partner und nicht Rivalen; es gibt keine grundsätzlichen Interessenkonflikte, die Zusammenarbeit ist weitaus intensiver als der Wettbewerb, und es gibt weit mehr Konsens als Uneinigkeit. Dank der politischen Begleitung durch mehrere Generationen auf beiden Seiten ist China seit vier Jahren in Folge Deutschlands größter Handelspartner. Während der Pandemie unterzeichneten Volkswagen und seine chinesischen Partner dank der persönlichen Unterstützung von Ministerpräsident Weil zwei wichtige Verträge mit einem Gesamtvolumen von 2,1 Milliarden Euro. Sie verstärken die Zusammenarbeit bei Elektrofahrzeugen und Batterien, und wichtige Kooperationsinitiativen stehen kurz bevor. Die Zusammenarbeit zwischen Volkswagen bzw. Niedersachsen und China in den letzten 40 Jahren hat eines bewiesen: Wenn die Richtung stimmt, dann kann die Geschwindigkeit einmal höher, einmal niedriger sein, kann die Straße einmal eben, einmal steil sein, und der Antrieb kann einmal Verbrenner, dann wieder elektrisch sein. Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg, denn China und Deutschland wollen beide zum Wachstum beitragen. Niedersachsen hat wieder mal beispielhaft gezeigt, dass China und Deutschland bereit sind, konkrete Maßnahmen zu ergreifen, um die Stabilität der Produktions- und Lieferketten aufrechtzuerhalten, den Anwendungsbereich der „Schnellspur" weiter auszudehnen, die Zusammenarbeit bei der Forschung und der Entwicklung von Impfstoffen und Medikamenten sowie gemeinsamer Prävention und Kontrolle von Pandemie zu verstärken.

Zusammenarbeit erfordert gegenseitigen Respekt, betont die Gemeinsamkeiten trotz Unterschiede, strebt nach Harmonie, aber nicht Angleichung. Wir wollen voneinander lernen, aber nicht einander verändern. Herr Bürgermeister Dr. Bovenschulte war der einzige Ministerpräsident, der zweimal hintereinander am Empfang zum Nationalfeiertag teilnahm. Meinem Verständnis nach wollte er dadurch die Aufrichtigkeit bei der Förderung von Verständnis und Vertrauen zum Ausdruck bringen. Dieses Jahr feiern wir das 35-jährige Jubiläum der Städtepartnerschaft zwischen Bremen und Dalian, und wie Herr Dr. Bovenschulte in einem Interview über die Zusammenarbeit mit China richtig sagte: „Wir können die globalen Herausforderungen nur zusammen bewältigen, müssen gemeinsame Lösungen suchen und komplementäre Kompetenzen zusammenbringen. Protektionismus und Egoismus sind dabei der falsche Weg." Sowohl China als auch die EU befinden sich in einem Reformprozess, der in der Geschichte der Menschheit beispiellos ist, und wir sind bereit, die Reformerfahrungen und -wege des jeweils anderen zu respektieren.

Zusammenarbeit erfordert das Streben nach dem größten gemeinsamen Nenner. Die Geschichte der Hanse, der Globalisierungsprozess, die Stärkung der Kooperation zwischen den Partnerstädten Shanghai und Hamburg während der Pandemie oder die Erfolgsgeschichte der Förderkommission zwischen Zhejiang und Schleswig-Holstein – diese Beispiele zeigen, dass es eine historisch begründete, rationale Entscheidung ist, das Verhältnis zwischen Homogenität und Diversität in der internationalen Zusammenarbeit korrekt zu gestalten, sodass eine möglichst große Überschneidung von Interessen erreicht werden kann. Die Neue-Seidenstraßen-Initiative, die Zusammenarbeit zwischen der Entwicklungsstrategie der Integration im Jangtse-Delta und Norddeutschland können wichtige Plattformen bilden.

Zusammenarbeit erfordert gegenseitiges Vertrauen, und sie fördert es gleichzeitig. Das Defizit in diesem Bereich ist allerdings nach wie vor groß und erfordert gemeinsame Anstrengungen, bei denen die Kommunen- und Städtepartnerschaft einerseits und die universitäre Zusammenarbeit andererseits eine immer wichtigere Rolle spielen. Wir haben deshalb vor einer Stunde zwei Webinare veranstaltet. Die chinesische Seite schlägt vor, anlässlich des fünfzigsten Jahrestages der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen den beiden Ländern ein „Jahr des gesellschaftlich-kulturellen Austauschs" zu veranstalten. Norddeutschland kann wieder einen wichtigen Beitrag dazu leisten.

Ich wünsche uns allen aufrichtig, dass China und Deutschland während und nach der Corona-Krise enger zusammenarbeiten und weiterhin füreinander da sind!

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!

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